Warum du dein ganzes Leben am ZOB verbringen musst

Was sich alle "Buskinder" fragen

19.02.2018 (BO) Gehörst du auch zu den 60% der Schüler, die mit dem Bus fahren? Du hast auch keine Ahnung, warum dein Bus einen komplett merkwürdigen Weg fährt und du gefühlte hundert Jahre warten musst, bis du nach Hause kommst? Wir haben jetzt mit der verantwortlichen Verkehrsplanerin gesprochen, um herauszufinden, was es damit auf sich hat.

 

Jacqueline Pusch ist seit zwei Jahren als Verkehrsplanerin des ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) in Norderstedt angestellt. Für den Kreis Dithmarschen ist die ehemalige Geographiestudentin nicht nur für die Schülerbeförderung und die damit verbundene Ausstellung der Busfahrkarten, sondern auch für die Streckenpläne der Busse verantwortlich.

 

Du kennst es bestimmt auch: Der Bus ist so voll, dass die Hoffnung auf einen Sitzplatz sowieso sinnlos ist und du dich mental schon darauf einstellen kannst, dass du die nächsten zwanzig Minuten überleben musst, ohne zerquetscht zu werden. Da haben wir leider schlechte Nachrichten für dich, denn laut Pusch sei es für den Kreis finanziell nicht möglich, jedem Busschüler einen Sitzplatz zu gewährleisten. Genau feststellen, wie viele Menschen wirklich regelmäßig mit ein und derselben Linie fahren, lasse es sich sowieso nicht. Natürlich ist die Anzahl der verteilten Busfahrkarten ein Anhaltspunkt, aber viele Schülerinnen und Schüler würden auch von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht und von dort wieder abgeholt oder würden im Sommer auf das Fahrrad umsteigen. Wenn es jedoch vorkomme, dass Busse viel zu voll seien, werde dies vom Busfahrer gemeldet, sodass in den nächsten Wochen stichprobenartig Fahrgastzählungen auf dieser Linie zu der bestimmten Uhrzeit durchgeführt würden, um zu überprüfen, ob der eventuelle Einsatz eines zweiten Fahrzeugs angebracht sei oder nicht.

 

Obwohl ein Bus nie kostendeckend ist, egal wie viele Menschen dort mitfahren, finanziert der Kreis uns Schülern, dass wir zur Schule und wieder zurückkommen. Dass das mit dem Zurückkommen manchmal etwas lange dauern kann, wenn man Nachmittagsunterricht hatte, dürfte vielen bekannt sein. Nach der achten nach St. Michel oder nach der siebten Stunde nach Friedrichskoog zu fahren ist mit recht langen Wartezeiten verbunden. Jedoch nicht zu lange, sagt der Kreis,  der sich als Ziel gesetzt hat, dass alle Schüler nicht länger als 90 Minuten auf ihren Bus warten müssen. Da in beiden Fällen aber nicht länger als eineinhalb Stunden gewartet werden muss, hat man keine Chance, sich darüber zu beschweren. Außerdem sei die Verkehrsplanung auch noch nicht auf die Nachmittagsunterrichte vorbereitet, die sich erst in den letzten paar Jahren etabliert hätten, erklärt Pusch. Zusätzliche Busse zu den Zeiten abzustellen sei aus Kostengründen nicht möglich, da der Bedarf einfach zu gering sei.

 

Falls es jedoch mal dazu kommen sollte, dass Busse, aus welchem Grund auch immer, nicht fahren, gibt es verschiedene Möglichkeiten um die Fahrgäste und vor Allem die Schüler, die auf den Bus angewiesen sind, darüber zu informieren. Zuerst geht es darum so schnell wie möglich eine Meldungskette an die Schulen herauszugeben, damit die Schüler sich auf die Ausfälle vorbereiten und dafür sorgen können, dass sie irgendwie nach Hause kommen. Die restlichen Fahrgäste bekämen an den ZOBs in beispielsweise Itzehoe und Brunsbüttel über digitale Anzeigen Bescheid über mögliche Ausfälle und Verspätungen. Für die Zukunft sei auf jeden Fall geplant derartige Anzeigen auch am Marner ZOB einzurichten und eine App zu entwickeln, damit man als Fahrgast immer auf dem neuesten Stand der Informationen sei und sich an der Haltestelle nicht die Beine in den Bauch stehe ohne zu wissen, was los ist. Weitere Zukunftspläne seien auf jeden Fall die Qualitätsstandards in den Fahrzeugen zu erhöhen. So werde beispielsweise an der Barrierefreiheit der Busse gearbeitet oder dafür gesorgt, dass auch Menschen mit Hör-oder Sehschwäche die richtige Haltestelle finden. Wenn es geschafft sei, dies wirklich in allen Bussen durchzusetzen, sei es an der Zeit, verstärkt an der Installation von Steckdosen und (Trommelwirbel) W-Lan zu arbeiten. Dies habe jedoch erst einmal keinen großen Stellenwert.

 

Jacqueline Pusch kümmere sich, nachdem sie durchgesetzt hat, dass man im Stundentakt von fünf bis 23 Uhr direkt von Heide nach Brunsbüttel fahren kann, darum, dass es ab Dezember 2019 eine Linie gibt, die direkt von Friedrichskoog nach St. Michel fährt.